Und? Schon ins neue Jahr gerutscht? Die Feiertage genossen? Den Weihnachtsstress verkraftet? Ist die Jahresplanung 2010 abgeschlossen? Können Sie es kaum erwarten, sich all Ihre Ziele und Wünsche in den kommenden zwölf Monaten zu erarbeiten? Stehen Sie quasi schon voller Vorfreude in den Startlöchern? Ja? Dann gratuliere ich Ihnen! Sie gehören zu einer seltenen und beglückwünschenswerten Spezies von Männern.
Weihnachtliche Seifenopern
Denn die meisten anderen Männer begegnen dem neuen Jahr gänzlich nüchterner. Viele sehen an Neujahr lediglich ein neues Kapitel der immergleichen Seifenoper auf sie zukommen: Anfangs spannend – man weiß ja nicht, was alles kommen mag; später ermüdend – man fängt an, die Hindernisse zu spüren; zum Schluss frustrierend – man begreift, dass man trotz aller Anstrengung eigentlich kaum etwas verändert, geschweige denn seine Ziele erreicht hat. Ein Kampf gegen Windmühlen, Sisyphos unternimmt einen neuen Anlauf, den Felsbrocken auf den Berg zu rollen.
Dabei sollte der vermeintlich christliche Jahresablauf doch geradezu umgekehrt, ja irgendwie heldenhafter sein: Das Jahr über quält uns der Stress – zuhause, auf der Arbeit, in der Freizeit. Wir kämpfen uns aber irgendwie durch alle Probleme hindurch, bis wir dann irgendwann die Ziellinie überqueren. Der lang ersehnte Winterurlaub. Es ist Weihnachten, das Fest der Liebe und Besinnlichkeit. Wir lassen uns mitreißen von der bezaubernden Weihnachtstimmung. Wir tauchen in die Krippengeschichte ab und freuen uns daran. Über die Adventstage hin bis zum Fest begleitet uns eine selige Ruhe. Wir tanken Energie, um dann mit voller Kraft ins neue Jahr zu starten. Ein schräge Vorstellung? Ein zynisch überzeichnetes Bild von der gelebten Eintracht am Weihnachtsbaum?
Sicherlich! Was soll dann aber die lange Einleitung? Sie soll uns vor Augen führen, wie verquert unsere Vorstellungen nicht nur von Weihnachten bzw. dem Jahresende, sondern von unserer Alltagsbewältigung sind. Wie das? Ganz einfach: Die Weihnachtswochen sind schon lange nicht mehr die Zeit, in der man(n) sich zurücklehnen, regenerieren und genießen kann. Es ist eher der traurige Höhepunkt eines aufreibenden Kampfes. Zu Weihnachten steigt nicht nur die Selbstmordrate drastisch an. Auch die Zahl der Depressionen wie auch der Familienstreitigkeiten und Ehekrisen nimmt zu. Die verschiedenen Sinnkrisen und Motivationslöcher seien hier nur am Rande erwähnt. Da hat man dann das ganze Jahr auf einen versöhnlichen Jahresausklang hingeschuftet und dann das? Was kommt als Nächstes? Richtig! Frohes neues Jahr…
Weihnachten wird ein ganzes Jahr gefeiert
Sehen Sie den Zusammenhang? Und sehen Sie, was das für das kommende Jahr bedeutet? Weihnachten ist ein symbolisches Fest. Zumindest die meisten Christen feiern am 24. Dezember die Geburt von Jesus Christus. Aber was ist mit den übrigen 364 Tagen im Jahr? Hat dieser eine Tag dafür keine Bedeutung? Haben wir bei allem Trubel rund ums Fest vergessen, dass Jesus zwar nur an diesem einen Tag geboren, an den übrigen 364 aber auch lebendig ist? Und haben wir vergessen, dass er uns für jeden Tag die nötige Kraft schenken will? „Die Gnade des Herrn nimmt kein Ende! Sein Erbarmen hört nie auf, jeden Morgen ist es neu. Groß ist seine Treue“ (Klgl 3,22-23).
Ende 2009 wurde ein Hit von Aura Dione regelrecht rauf und runter gespielt. In ihrem Lied „I will love you Monday“ singt sie im Refrain „365 days and nights, 365 tries to make it right“ (übersetzt: „365 Tage und Nächte, 365 Versuche, es richtig zu machen“). Ich wünsche Ihnen für das neue Jahr, dass Sie jeden Tag genau so „individuell“ sehen können – und erkennen, dass Sie seit dem ersten Weihnachtsfest jeden Tag neu auf die Hilfe von oben vertrauen können.
Ein gesegnetes Jahr!
Serge Enns ist Redakteur bei Adam online.
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