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Auch Männer haben ihre Tage


Aktuelle Ausgabe

25.05.2010 14:06 Alter: 105 days
Kategorie: Männergesundheit

Auch Männer haben ihre Tage

Was Testosteron mit uns Männern anstellt


Dr. Dirk Pröpper

„Männer sind hormongesteuert“, hört man oft, wenn es um die Beziehung zu Frauen, Bodybuilding, schnelle Autos und vieles mehr geht. Erstaunlicherweise stimmt dies aus medizinischer Sicht tatsächlich ...

Zunächst einmal die Ernüchterung für alle Machos: Seit 1950 ist bekannt, dass die äußeren Geschlechtsorgane hauptsächlich von hormonellen Faktoren abhängen (anders als das genetisch in den Chromosomen festgelegte Geschlecht). Der Mensch entwickelt sich nach Befruchtung der Eizelle als weiblicher Körper, es sei denn, das Hormon “Testosteron” und das “Anti-Müller-Hormon” kommen ins Spiel.

Auch der Mann hat einen bestimmten Hormonzyklus, der sich stetig verändert und so auch die äußeren Veränderungen des Mannes von der Geburt über die Jugend/Pubertät bis ins hohe Alter maßgeblich beeinflusst.

 

Der schwangere Mann

Bei Frauen besteht ein sehr variables System von Hormonspiegeln, die sich fast täglich ändern. Bei Männern hingegen bleibt der Hormonzyklus über Jahrzehnte relativ stabil. Bestimmte Reaktionsmuster des Mannes resultieren in der Ausschüttung von Hormonen, die im Gehirn gebildet werden. Forscher konnten zwar noch keinen hormonabhängigen Zyklus beim Mann nachweisen, wohl aber testosteronabhängige Verhaltensweisen.

Auch Männer haben ihre Tage, an denen sie nicht allzeit bereit sind. Durch die Untersuchung der Speichelproben männlicher Probanden fand man heraus, dass Männer mit Kinderwunsch ihre Testosteronpeaks an den Zyklus der Frau anpassten. Voraussetzung war neben dem Wunsch nach Kindern mit dieser Frau auch eine intensive emotionale Bindung zu ihr. Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft, mit der Frau während der Schwangerschaft zu „leiden“, spielen auch eine Rolle; so wachsen auch die Bäuche der Männer, und die Nerven liegen gegen Ende der Schwangerschaft ziemlich „blank“.

Verallgemeinernd kann man sagen, dass sich unser Lebensstil direkt auf den Hormonspiegel auswirkt. Der Hormonhaushalt des Mannes wird z. B. durch Sport oder Stress maßgeblich beeinflusst. Somit haben Männer bis zu einem gewissen Grad die Steuerung des Hormonhaushaltes selbst in der Hand.

 

Wechseljahre des Mannes

Die Entwicklung eines Jungen zum Manne wird durch viele körperliche Veränderungen in der Pubertät begleitet. Grund dieser Veränderung ist die Wirkung des Hormons Testosteron. Dessen Produktion nimmt bis etwa zum 30. Lebensjahr zu und verläuft dann etwa bis zum 40. Lebensjahr gleich bleibend. Danach verringert sich der Testosteronspiegel um jährlich ca. zwei Prozent. Schließlich weisen bereits 15 bis 20 Prozent der Männer über 50 Jahren einen verminderten Testosteronspiegel auf. Etwa ab dem 40. bis 45. Lebensjahr können die „Wechseljahre des Mannes“ – auch Klimakterium virile genannt – mit folgenden Symptomen eintreten:

- Schwächegefühl und Abnahme der Aktivität - Mattigkeit, nachlassende Tatkraft - Reizbarkeit, Gefühlsschwankungen - Innere Unruhe, Nachlassen der Konzentrationsfähigkeit - Nachlassen der Lust auf Sexualverkehr, Potenzstörungen - Nachlassen der Muskelkraft, Glieder- und Gelenkschmerzen - Schweißausbrüche, vermehrte Wärmeempfindlichkeit - Schlafstörungen oder erhöhtes Schlafbedürfnis - Gewichtszunahme ohne Veränderung der Lebensgewohnheiten

Wechseljahre des Mannes liegen vor, wenn bei Auftreten dieser typischen Symptome mehrfach zu niedrige Testosteronspiegel im Blut gemessen werden und andere Ursachen ausgeschlossen werden können.

Betroffen sind regelmäßig Männer zwischen 50 und 60 Jahren, die erfolgreich im Berufsleben stehen und wirtschaftlichen Erfolg erlangt haben. Die Symptome treten meist schleichend auf, und die Männer stehen zum Teil unter erheblichem Leidensdruck. Das subjektive Gefühl, krank zu sein, führt zu nachlassender Produktivität und nicht selten Problemen am Arbeitsplatz. Durch sexuelle Frustration in der Ehe und plötzliche Stimmungsschwankungen können Konflikte mit der Partnerin entstehen, die den betroffenen Mann noch mehr isolieren.

 

Was können wir Männer dagegen tun?

Da die Hormonproduktion weiterhin von Faktoren wie Ernährung, körperlicher Bewegung und Stress sowie emotionalen Belastungen abhängig ist, kann ein Ausgleich in diesen Bereichen die Hormonproduktion wieder fördern. In einigen Fällen kann auch eine zusätzliche ärztlich zugeschnittene hormonelle Behandlung hilfreich sein.

Es wird deutlich, dass beruflicher Erfolgsdruck und Stress, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel nicht nur Risikofaktoren für Herz- und Kreislauferkrankungen sind, sondern beim Mann auch das unterdrücken, was ihn hormonell gesehen zum Mann macht. Dies entspricht sicher nicht Gottes Plan mit uns Männern. Daher wünsche ich dem Leser die Besinnung auf eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Freizeit, Aktivität und Erholung.

 

Dr. Dirk Pröpper arbeitet als Facharzt für Neurologie in Boxmeer (Holland), ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.