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Einsame Insel gesucht!


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25.06.2010 12:45 Alter: 77 days
Kategorie: Blog
Von: Frank Krause

Einsame Insel gesucht!


Wir leben in einer Zeit der Krisen auf allen Ebenen! Deshalb müssen wir lernen, ihre bedrohliche Energie zu nutzen, um mit Gott eine tiefere Beziehung zu knüpfen. Denn wir brauchen seine Liebe, Weisheit und Kraft umso mehr, desto größer die Bedrängnis ist. Krisen haben das Potential von Erweckung in sich. Sie wecken die Schlafenden auf, wenn die Schwierigkeiten sie selbst treffen und wirklich ins Fragen bringen. Und wer kann das bei Männern schon erreichen? Wenn „alles gut läuft“ besteht dazu ja kein Anlass …

 

Männer hören nicht mehr zu

Vor Kurzem sprach ich auf einem Männertreffen, welches geradezu exemplarisch für den desolaten Zustand der Männer war. Nicht, dass es nicht gut vorbereitet war und der Verantwortliche sich nicht vorbildlich verhalten hätte – großes Lob! Auch kamen immerhin etwa 40 Männer und es gab ein leckeres Buffet. Aber die „Bereitschaft zum Zuhören“ schien mir katastrophal zu sein. Jesus mahnt uns ja, darauf zu achten, wie wir hören (Lukas 8,18).

 

Natürlich kann ich nicht hellseherisch sagen, was wie bei den Hörern im Einzelnen angekommen ist und was nicht. Männer sind ja Meister darin, sich nichts anmerken zu lassen, auch wenn sie durchaus etwas anspricht. Es handelte sich bei der Mehrzahl der Besucher um Männer, die auch sonst zur Kirche gehen; Männer, die also daran gewöhnt sind, unendlich viele „Botschaften“ und Predigten zu hören, abzusitzen und abzunicken. Die Veranstaltung fand Samstagabend statt. Schon am nächsten Morgen würden sie die nächste Predigt im Gottesdienst hören und als passive Zuhörer eine Flut weiterer Informationen und Appelle aufnehmen.

 

Männer brauchen geistlichen Urlaub

Im Inneren solcher Männer herrscht permanent Überfüllung wegen einer Unzahl unverarbeiteter und halbverdauter Themen. Sie sind wegen dem Vielen nicht in der Lage, das eine zu hören und zur Reife zu bringen. So sitzen sie die Zeit ab – wie damals in der Schule –, lassen die Worte auf sich niederrieseln. Ihre Aufmerksamkeit ist ebenso gering wie ihre Erwartung. Meine undankbare Aufgabe als Sprecher war es, gegen diese geballte Unfähigkeit anzukommen, wirklich zu hören und sich wirklich einzulassen und dann auch wirklich zu reagieren. Das Herz dieser Männer war „wegen Überfüllung geschlossen“. Das Männertreffen war für viele ein Termin unter vielen, der noch irgendwie in den vollen Kalender eingeschoben werden musste. Wahrscheinlich waren die Gedanken mancher „Brüder“ während meines Vortrages schon bei der nächsten Aufgabe.

 

Nun ist dieses Verhalten für mich sehr verständlich und nachvollziehbar. Jedoch verhindert es zuverlässig, dass ein Mann aufwacht, zur Besinnung kommt, in sich geht und reagiert. Unsere Reaktion kirchlicherseits, solche Männer dann mit noch mehr Worten und Appellen zu überhäufen, zu noch mehr Veranstaltungen einzuladen und ihnen noch mehr Bücher zu empfehlen, ist völlig kontraproduktiv. Diese Männer brauchen keine weitere Predigt, sondern vier Wochen einsame Insel! Die Stille und Unabgelenktheit, das Fehlen immer weiterer Unterhaltung und Informationen, würde sie vielleicht der Erkenntnis ihres wirklichen Zustandes und ihrer eigenen Wahrheit näher bringen. Verschwindet das Übermaß an Vielem, finden sie vielleicht wieder das Eine, das wirklich zählt und um das es in ihrem Leben wirklich geht.

 

Das Reich der Himmel gleicht einem Kaufmann, der schöne Perlen sucht; als er aber eine sehr kostbare Perle gefunden hatte, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie. (Matthäus 13,45-46)

 

Frank Krause ist Krankenpfleger, war 20 Jahre Gemeindeleiter und hat sich besonders in der Männerarbeit engagiert (www.hisman.de). Vor kurzem ist sein Buch „Männerdämmerung“ erschienen.