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Schluss mit dem Heldentum


Archiv

14.05.2010 18:15 Alter: 116 days
Kategorie: Männergesundheit
Von: Anne Stabrey

Schluss mit dem Heldentum

Männlichkeit in der Krise (Ausgabe 20)


Es ist eine allgemein bekannte und betrübliche Tatsache: Männer ster­ben wesentlich früher als Frauen. Momentan liegt in Deutschland die Differenz der mittleren Lebenserwartung bei rund fünf Jahren. Frau­en werden durchschnittlich 82, Männer nur 77 Jahre alt. Die Sterblichkeitsrate der Männer zeugt von deren schlechterem Gesundheits­zustand. Sie sind anfälliger als Frauen und stärker von schweren Krankheiten betroffen. Dass dieser Befund wie von Natur gegeben allgemein akzeptiert wird, ist fatal …

Seit Jahren gibt es einen Frauen­gesundheitsbericht, aber noch immer keinen Bericht über Männergesundheit. Aus einer solchen Studie könnten krankheitsrelevante Benachteiligungen der Männer ersichtlich und ein Bewusstsein über die Männergesundheit entwi­ckelt werden. Denn es ist erschreckend wenig über die kulturellen und sozi­alen Ursachen von Erkrankungen der Männer bekannt. Sich damit auseinan­derzusetzen, hieße Lebenshilfe zu leisten ...

Es sind nämlich nicht die biolo­gischen Gegebenheiten, wovon die Lebensdauer eines Mannes vorrangig be­einträchtigt wird ... Überwiegend verantwortlich für die schlechte Gesundheit des Mannes sind kulturelle und soziale Faktoren. Das bedeutet nichts anderes, als dass es Einflüsse gibt, die vermindert und Erkrankungen, die vermieden werden könnten. Viele der Risikofaktoren sind zwar allgemein bekannt, werden aber zu wenig beachtet – eine falsche Ernäh­rung oder die Selbstüberforderung, wenn der Mann nach Macht und Status strebt. Es ist einerseits der traditionelle männliche Lebensstil, das beharrliche Festhalten an der dem Mann zugeschriebenen Führungsrolle, woraus Verhal­tensweisen erwachsen, die sein körperliches und seelisches Vermögen stark überfordern können. Andererseits sind es konkrete soziale und ökonomische Zwänge wie Lebens- und Arbeitsbedingungen, die sich negativ auf die Ge­sundheit des Mannes auswirken …

Gesundheitsbewusst zu leben könnte damit beginnen, dass der Mann das typisch männliche Leistungs- und Karrieredenken als sein wichtigstes Lebensgebot in Frage stellt und im Gegenzug mehr für seine Gesunderhaltung tut ...

 

Buchauszug mit freundlicher Genehmigung des Verlags: Anne Stabrey, Sorge für dich, so lebst du länger. Über Männlichkeit und Männergesundheit, Brandes & Apsel Verlag, Frankfurt/M 2009, 156 Seiten, 14,90 Euro, ISBN 978-3-86099-595-2